Ungeklärte Fragen zur Klassifikation von Männern


"Männer sind nach vergleichbaren Kriterien wie Pilze klassifizierbar. Bei Pilzen sind es die Lamellen, die als Unterrock des Pilzes eine entscheidende Rolle bei der Zuordnung des Pilzes zu einer bestimmten Pilzart spielen, bei Männern sind es die Unterhosen. Dabei weist sowohl bei Pilzen, als auch bei Männern der Einfärbungsgrad auf den Erhaltungszustand hin. Eine schmierige Konsis-tenz beim Anfassen ist in beiden Fällen ein Hinweis, Vorsicht walten zu lassen und sich über die Entsorgung Gedanken zu machen. Fachfrauen nutzen zur Beurteilung auch Geruchsproben."

(Aus: Was sie bei der Klassifikation von Männern beachten müssen - Grundkurs Geschlechtersoziologie I - Hannover, 2022)


Zwar wirkt dieser wissenschaftliche Ansatz aus der Männerforschung, der Zuordnung von Männern zu Unterhosensubgruppen, beim ersten Lesen durchaus einleuchtend, gleichwohl wirft er aber Fragen auf, die ihn aus meiner Sicht zweifelhaft erscheinen lassen.

- Bilden Männer die Fan-Unterwäsche ihres Fußballvereins tragen zum Beispiel eine eigene Subgruppe oder nur eine Unterkategorie der Unterwäschesubgruppe mit Aufdrucken von Konsummarken?

- Welcher Gruppe sind Männer mit Boxershorts mit der Abbildung eines übergroßen Penis und im Bündchen eingestickter Aufschrift: Hier wache ich, zuzuordnen?

Und obwohl toxische Männerunterhosen nur allzu leicht zu imaginieren sind, ist mir unklar, ob und wie diese Unterhosensubgruppe im Zusammenhang steht mit dem Begriff toxischer Männlichkeit, einem Begriff der aufgrund seiner Unbestimmtheit und Beliebigkeit ohnehin nur als Polemik taugt. Im Gegensatz zu toxischen Pilzen besteht bei Männern auch nicht die Gefahr, dass sie aus versehen zusammen mit essbaren gekocht und verspeist werden. Außer ich gehe von der Zombie-Apokalypse aus, nur die kochen ihre Opfer üblicherweise auch nicht.

Unter Berücksichtigung der Minirockdebatte des Mittelalters, bei der es um die Kritik der mit der Mode kürzer werdenden männlichen Rocklänge ging, ist zudem zu berücksichtigen, dass in dieser Zeit Männer in der Regel gar keine Unterhosen getragen haben, was Grund für die Regulierung der Rocklängen durch einen obrigkeitsstaatlichen Erlass war, da sonst bei heftigen Bewegungen oder dem Bücken das Gekröse sichtbar wurde. Dies wirft die Frage auf, wie bei der Kategorisierung von Männer nach Unterwäschesub-gruppen, in der historischen Forschung die Konsistenz sicher zu stellen ist, da Unterwäsche zumindest in Mitteleuropa ein Phänomen der Neuzeit ist.

Insgesamt erscheint mir der Ansatz darüber hinaus als Übertrag von Beautyism auf Männer und ist schon aus diesem Grund abzulehnen. Eine frühere Mitbewohnerin von mir ist überzeugt, dass Männer sich am besten nach den Körperpflegeprodukten, die sie nutzen, und ihren Waschritualen unterschiedlichen Typologien zuordnen lassen. Aber auch dieser Ansatz zur Kategorisierung von Männern überzeugt mich nicht, waren doch auch diese Produkte meist im Mittelalter noch unbekannt und im Alltag gestaltet sich die Erhebung der Daten vergleichbar schwierig, wie bei der Frage nach der Art der Unterhosen, die ein Mann trägt.

Ich werde mich wohl weiter nach meinem individuellen Eindruck richten müssen.


Ada - Hannover, Juni 2023 -


Fin











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Zuletzt aktualisiert 30.07.2022





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