Pippi Langstrumpf zieht in den Krieg


"Unvergessliche Tage, diese herrlichen Augusttage des erste siegreichen Vordringen der deutschen Truppen, der großen opferfreudigen Begeisterung der Daheimgebliebenen!"

"... viel wurde in diesen Augusttagen in keiner Schule in Deutschland gelernt. Wenigstens keine Bücherweisheit. Aber anderes lehrten die Lehrer ihre jungen Schüler: Begeisterte Liebe zum Vaterland, grenzenlose Opferfreudigkeit für die draußen Kämpfenden."

"Was wurde dort nicht alles von den fleißigen Mädchenhänden fabriziert. Vor allem graue Strümpfe, denn 'barfuß können unsere Soldaten nicht bis Paris und Petersburg marschieren!' [...] Ein edler Wettbewerb begann zwischen den Schülerinnen, wer wohl am schnellsten mit seiner Arbeit fertig wurde. [...] Es war merkwürdig, mit welcher Freude Doktors Nesthäkchen, das dem stricken von jeher nicht sehr hold gewesen, hier an ihrem langen Strumpf schaffte. [...] Auch Pfeifentabak kaufte sie von ihrem Taschengeld. Großmama fügte [...] eine Flasche Kognak hinzu, die Brüder Schokolade und Fräulein einen Kopfschützer. [...] Annemarie erhielt als Dank die erste Feldpostkarte." "'Es ist dringend notwendig, daß wir unsere Vorräte strecken, sagt der Herr Direktor, und jedes vaterlandsliebende Schulkind muss Opfer bringen.' [...] 'Unser Lehrer hat uns auch ans Herz gelegt, sparsam mit dem Getreideverbrauch umzugehen und unseren Gurt in der Magengegend etwas enger zu schnallen.' [...] 'Wer belegte Stullen zur Schule mitnimmt, ist unpatriotisch', sagte Annemarie."

(Zitate aus: Nesthäkchen und der Weltkrieg - Else May - Berlin 1922)


Im Internet habe ich gestern gelesen, die Heinrich Böll Stiftung würde planen, das Buch 'Nesthäkchen und der Weltkrieg' neu herauszubringen. Um durch die Neuherausgabe die Friedenspolitik, des wehrhafter Frieden, auch in den Köpfen deutscher Mädchen zu verankern. Früher wussten die Deutschen noch, was zählt, und haben es nur im Zuge eines überbordenden Pazifismus nach dem 2. Weltkrieg vergessen. Der Nesthäkchenband wäre dadurch wieder aktuell.

Ich halte das ja für ein bösartiges Gerücht. Die Grünen würden das doch nie machen, das Buch ist ja nicht gegendert. Und außerdem ist dieser Bezug zum Deutschen Reich doch eine böse Verleumdung. Frau Baerbock ist doch keine unbewusste Revanchistin, die Rache für die Demütigung ihres Urgroßvaters in Stalingrad sucht. Sie will doch nur die Soldaten, die frierend für unsere Freiheit kämpfen, wie Nesthäcken im 1. Weltkrieg mit warmen Socken versorgen. Und als moderne emanzipierte Frau belässt sie es nicht bei Socken und Schokolade, sondern steckt noch ein paar Panzer in die Strümpfe. Tabak geht ja nicht mehr, das verbietet die Gesundheitspolitik.

Da würde ein Ergänzungsband in der Pippi Langstrumpf Reihe 'Pippi Langstrumpf zieht in den Krieg' doch viel besser passen, oder für die etwas älteren Jugendlichen eine Bölladaption 'Katharina Blum und der Frontsoldat'. Schließlich führen die Grünen Krieg für den Frieden. Und damit bewegen sie sich doch ganz im Denken Heinrich Bölls. Nur ich in meiner Kakauumnachtung bleibe davon überzeugt, dass der Pazifist Heinrich Böll diese Form des neuen Denkens als die alte militaristische Ideologie angesehen hätte.

Und außerdem würde KiKa das sicher sofort verfilmen, zumindest die Pippi-Langstrumpf-Version. Und als Ministerin könnte Frau Baerbock doch ihre Abteilung zur Abwehr von russischen Fehlinformationen anweisen einen neuen Pippi Langstrumpf Band zu konzipieren. Der wird dann in den Lehrplan in den Kindergärten aufgenommen. Nesthäkchen ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Die emanzipierte Frau fordert eine aktive Rolle ein: Jeder Schuss ein Russ!


Ada - Hannover, 2022 -


Fin











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Zuletzt aktualisiert 30.07.2022





Pippi Langstrumpf zieht in den Krieg - Text über: Ukraine, Krieg, Propaganda, Militarisierung, Militarismus, Deutschland, Pazifismus, Heinrich Böll, Nesthäkchen und der Weltkrieg